Glasproduktion

Die von Sammlern hochgeschätzten Lauensteiner Gläser kommen aus Osterwald. Maßgeblich für die Bezeichnung ist die Tatsache, dass der Gründer der Lauensteiner Glashütte, Oberamtmann Wedemeyer, dem Amt Lauenstein vorstand. Außerdem besaß Osterwald zu jener Zeit, im Jahr 1701, als frühneuzeitliche Gewerbesiedlung nicht den Status einer selbstständigen Gemeinde. Um präzise zu sein, müsste man von der Lauensteiner Glashütte am Osterwald sprechen.

Die Überlieferung lässt den Schluss zu, dass bereits im Jahr 1507 eine Glashütte am Osterwald existierte; mit hoher Wahrscheinlichkeit handelte es sich um eine holzbeheizte Wanderglashütte, die Holz zur Glasschmelze verwendete.

Die Geschichte der Lauensteiner Gläser begann, als Oberamtmann Wedemeyer auf eigene Kosten eine Glashütte am Osterwald anlegen ließ und einen Glasmeister aus England namens Tisag sowie weitere Fachleute aus einer Glashütte im hessischen Altmünden anwarb.

Anfänglich produzierte die Glashütte Kristallglas, feines Kreideglas und einfaches Kreideglas. Später kamen blaue Gläser hinzu und an einigen wurde ein blauer Rand oder gar eine Randvergoldung durchgeführt, die in ihrer Qualität unerreicht war.

Lauensteiner Glas mit „Löwenmarke“ im Fuß

Wedemeyer schied 1717 aus dem herrschaftlichen Dienst aus und verkaufte die Glashütte an den Schichtmeister Günther Bremer. Nach Bremers Tod führte sein Sohn die Produktion fort. Dessen Erben wiederum veräußerten die Rechte an der Glasherstellung sowie das Wohnhaus 1767 für 3.500 Reichstaler an die landesherrliche Verwaltung. Diese ließ die Hütte renovieren und vergrößern. 1796 waren in der Glashütte zwei Schmelzöfen in ständigem Betrieb.

In den folgenden Jahrzehnten wechselte die Glashütte mehrfach den Besitzer und ging im Jahr 1838 in Konkurs. Der Betrieb lief wieder an, als Hinze und Petzold die Hütte im Winter 1840 übernahmen. 1845 fertigten sie unter anderem 800.000 Stück „Bouteillen“, die sie nach Hamburg, Bremen und Südamerika verkauften. Am 20. März 1847 trat der Kaufmann G. W. Scheele für den inzwischen verstorbenen Petzold in den Betrieb ein. Im Jahr 1852 produzierten Petzold und Scheele in ihrer Glasfabrik eine Million Flaschen, darunter 120.000 Stück halbgrünes und 36.000 Stück weißes Glas.

Die Glashütte ging 1866 erneut in Konkurs und am 1. Oktober 1867 übernahm Emil Boetticher die Produktionsanlagen, in denen er nun Glasteller, Glasschalen, einfachere Zierflaschen, Medizingläser und -flaschen, Tintenfässer und Henkelgläser herstellen ließ.

Angeregt durch den großen geschäftlichen Erfolg der Osterwalder Glashütte von Hinze und Petzold beschloss der ortsansässige Glashändler Conrad Heinrich Reuße 1851, in Oldendorf – in der Sümpelbreite – eine eigene Glashütte zu erbauen. Am 4. Oktober 1852 begann der Betrieb. Trotz des guten Absatzes wechselte die Glashütte mehrfach den Besitzer und lag Anfang der 1870er Jahre einige Zeit still. 1886 kaufte Emil Boetticher die Glashütte in der Sümpelbreite und gab die alte Lauensteiner Hütte auf. 1892 erbaute Boetticher die Hütte in der Sümpelbreite neu, was ihn jedoch wirtschaftlich überforderte und in den Konkurs zwang. 1897 übernahm Kommerzienrat Hermann Wolff aus Braunschweig den Betrieb, um ihn im Jahre 1899 an die „Fabrik für feuerfestes und säurefestes Glas“ in Vallendar am Rhein weiterzugeben.

Wannenofen in der Glashütte in Oldendorf

Nach einem erneuten Konkurs im Jahre 1902 übernahm die „Aktiengesellschaft für Glasindustrie vormals Friedrich Siemens“ aus Dresden die Glashütte in der Sümpelbreite und stellte dort Spiritus-, Maggi-, Wein- und Bierflaschen her. In der Hütte arbeiteten zu jener Zeit etwa 200 Personen, darunter etwa 100 Flaschenmacher.

Anfang der 1920er Jahre geriet die Glashütte erneut in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Kostendruck und Rationalisierungsmaßnahmen in der gesamten deutschen Glasindustrie ließen die Anstrengungen der Aktiengesellschaft für Glasindustrie erfolglos bleiben und führten zur Schließung der Hütte am 26. Juli 1926. Das Gebäude wurde 1930 auf Abbruch verkauft, der Schornstein 1932 gesprengt. Die Wohngebäude blieben erhalten.

Der Themenbereich „Glas“ in der Dauerausstellung