Veranstaltungen im Museum

Vortragsreihe 2018 – zu allen Vorträgen freier Eintritt

31.08.2018, 18.30 Uhr

Dr. Olaf Grohmann, Wennigsen

„Abschied von der Kohlenkirche. Die Zeche Georgschacht 1902 bis 1960“

IMG_9225Schon im frühen 16. Jahrhundert begann im Schaumburgischen der Bergbau auf Steinkohlen. Im Verlauf von 500 Jahren teuften die Bergleute in diesem Revier hunderte von Schächten ab und fuhren rund 30 Stollen auf. Auf den Anfang des 19. Jahrhunderts gehen die Versuche zurück, die Kohle zu verkoken, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schaumburger Zechen zu erhöhen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Wealdenkohle der norddeutschen Abbaugebiete gegenüber der Karbonkohle, vor allem der des Ruhrgebiets, weitgehend ihre Konkurrenzfähigkeit verlor, versuchten vor allem die großen Zechen, dieser Entwicklung durch massive Erweiterung ihrer Anlagen entgegenzuwirken, wie die Beispiele des Klosterstollens in Barsinghausen und des Stadthagen-Obernkirchener-Reviers belegen.

In letzterem wurde 1902 mit dem Georgschachte eine moderne Großzeche nebst Kokerei  errichtet und bei Obernkirchen eine Brikettfabrik in Betrieb genommen. Obwohl die Preussag, seit 1923 Eigentümerin des Schaumburger Bergbaus, noch in den 1950er Jahren hohe Investitionen tätigte, erfolgte 1960 der Beschluss zu dessen Stilllegung.

Einige der übertätigen Bauten des Georgschachtes führte man einer gewerblichen Nachnutzung zu, was den Verfall der Anlagen letztendlich aber nicht aufhalten konnte. Heute existieren nur noch Ruinen der einst imposanten Gebäude; vor allem das aufgrund seiner Architektur als „Kohlenkirche“ bekannte ehemalige Verwaltungsgebäude und die frühere Waschkaue sind wohl unrettbar verloren. In jüngster Zeit bekannt gewordene Überlegungen, die erwähnten Bauten zu retten, müssen angesichts des Zustandes letzterer als unmöglich erscheinen.

Der Vortrag behandelt kurz die Entwicklung des Schaumburger Bergbaus im Allgemeinen und geht dann ausführlich auf die Geschichte der Zeche Georgschacht ein. Den Abschluss bildet ein Blick auf die Problematik des Erhalts von Denkmälern der Industriegeschichte, der, wie im kulturellen Kontext üblich, immer in Konkurrenz zu vermeintlichen wirtschaftlichen Interessen steht.


21.09.2018, 18.30 Uhr

Dr. Nadja Wischmeyer, Niedernwöhren

Der Mittellandkanal – Landschaft – kultivierte Landschaft – Kulturlandschaft

Kanallandschaft IIIHäufig wird kultivierte Landschaft mit Natur gleichgesetzt, besonders wenn die Nutzungsspuren in der Umgebung nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Die intensive Natur(ver)nutzung und der massive Landschaftsumbau ab dem 19. Jahrhundert ließen im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts eine „grüne“ Bewegung in der Mitte der Gesellschaft entstehen, die sich nicht nur für Flora und Fauna einsetzte sondern im Laufe der Zeit auch für den Erhalt bekannter Landschaftsbilder. Ausgehend von der Annahme, dass sich auch gesellschaftliche Entwicklungen in den Strukturen einer von Menschen genutzten Landschaft ablesen lassen, untersuche ich den Umgang mit dieser und den hinzugefügten baulichen Elementen über die Zeit des Mittellandkanalbaus hinaus bis in die Gegenwart. Denn diese Veränderungen zeigen den Wert einer „(Kultur)Landschaft“ im Wandel – damals wie heute.


12.10.2018, 18.30 Uhr

Martina Grohmann, Wennigsen

„Vor- und Frühindustrialisierung im Kurfürstentum Hannover. Die Herzberger Gewehrmanufaktur im 18. und 19. Jahrhundert“

Amman_Der BüchsenschmidtMit Beginn des 18. Jahrhunderts setzten im Kurfürstentum Hannover Bestrebungen ein, eine eigene Gewehrfabrik zu etablieren. Ganz im Sinne der merkantilistischen Wirtschaftspolitik sollten die landeseigenen Ressourcen genutzt werden um eine wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen. Ihre Waffen bezogen die hannoverschen Kurfürsten bis dato aus dem Ausland, vor allem thüringische Gewehrfabriken versorgten die Kurhannoverschen Truppen. Zwar gab es auch im Kurfürstentum Hannover Büchsenmacher und Schäfter, die Gewehre herstellten, eine Massenproduktion, welche die Bedürfnisse der Armee decken konnte, existierte allerdings nicht.

Die Referentin behandelt die Frage der Standortwahl und beleuchtet die einzelnen Etappen der Einrichtung der Herzberger Gewehrmanufaktur. Das Personal der Fabrik sowie die Arbeitsbedingungen und Fertigungsabläufe stehen bei diesem Vortrag ebenso im Fokus wie die Verwaltung und die wirtschaftliche Entwicklung der einzigen hannoverschen Gewehrfabrik. Ein kleiner Exkurs thematisiert die Bedeutung der Gewehrmanufaktur für den Flecken Herzberg.