Vergangene Sonderausstellungen

 Herzog Julius: Renaissancefürst, Protestant, Ökonom

13. Juni bis 31. Oktober 2010

JuliusAnlässlich der 425-Jahr-Feier Osterwalds führt eine Sonderausstellung im Museum am Hüttenstollen zu den Spuren des „ökonomischen Fürsten“.

Im Jahr 1568 übernahm Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg die Regierung im Fürstentum Wolfenbüttel. Im Verlauf seiner Regentschaft konzentrierte er sich auf zwei wesentliche Ziele: die Durchführung der Reformation in seinem Land und die Schaffung von Wohlstand und Reichtum für das Herzogtum durch verschiedenste wirtschaftliche Unternehmungen. Als 1584 das völlig überschuldete Fürstentum Calenberg an Wolfenbüttel fiel, übertrug Julius seine Prinzipien auch auf dieses Territorium. Bei seinem Tod im Jahr 1589 hinterließ er seinem Sohn ein Land mit geordneten Finanzen, einer prosperierenden Wirtschaft und einer funktionierenden Verwaltung.

Ausgestattet mit profunden Kenntnissen der „Oeconomie“ und einer großen Leidenschaft für „Verwaltungsdinge“, die er auch auf den Bereich der Finanzen übertrug, wirkte Julius zum Wohle seines Landes. Sein ökonomisch orientiertes Handeln ist Ausdruck einer Entwicklung, die in der Zeit der Renaissance begann und sich im Absolutismus weiter verstärkte: das wachsende Interesse des Adels an wirtschaftlichen Aktivitäten.

1585 wurde Herzog Julius auf die Steinkohlenvorkommen am Osterwald aufmerksam und ließ diese als Brennstoff in seinen Salzhemmendorfer Salinen verwenden. Wenig später siedelte er Bergleute aus dem Harz an und legte so den Grundstein für das heutige Osterwald.


Der Bergbau in der Kunst: Bilder von Georg Schlesiger

6. März bis 23. April 2011

georgeDer Arbeitsalltag der Bergleute hat immer wieder Künstler inspiriert und in ihrem Schaffensprozess beeinflusst. Aber auch Bergleute widmeten sich als Laienkünstler oftmals der Darstellung der faszinierenden Welt unter Tage.

Das Museum am Hüttenstollen stellt die Bilder des Malers und ehemaligen Bergmanns Georg Schlesiger in den Mittelpunkt einer kleinen Sonderausstellung zum Saisonauftakt 2011. Die Schau ergänzt Schlesigers Arbeiten durch verschiedene Exponate, die aber nur ein Hinweis auf die große Bandbreite des vielschichtigen Themas “Bergbau und Kunst” sein können.

Georg Schlesiger, geboren 1925 in Langenwalde, Kreis Braunsberg, in Ostpreußen, arbeitete von 1947 bis 1957 auf der Zeche Victoria in Lühnen als Bergmann. Dann wanderte er mit seiner Familie nach Kanada aus und verdiente dort seinen Lebensunterhalt als Holzfäller, Malergehilfe, Maler, Tankstellenbetreiber und Farmer.

Schon als Kind zeichnete Georg Schlesiger gern und gut. Von seinem ersten Bergmannslohn kaufte er sich einen Malkasten, seine damaligen Lebensumstände erlaubten es ihm jedoch nicht, sich der Kunst zu widmen. Erst nach Ende seines Berufslebens konnte er sich intensiv mit der Malerei befassen und sich darin ausbilden lassen.

In den 1999er Jahren verarbeitete Georg Schlesiger seine Erinnerungen an die Zeit als Bergmann in einer Reihe von Bildern, die er teils mit Ölfarben, teils mit Wasserfarben malte. Georg Schlesiger lebt heute vorwiegend in Hameln.


…“daß auch sein sonst so kurzes Lebensziel
um ein Bedeuttendes verlängert werde.“

200 Jahre Knappschaft am Osterwald

15. Mai bis 30. Oktober 2011

attestAm 17. Januar 1811 – das Kurfürstentum war zum Bestandteil des Königreiches Westphalen geworden – entstand eine Knapp­schaftskasse für alle königlichen Werke im Gebiet des vormaligen Amtes Lauenstein. Der Kasse gehörten die Arbeiter des Osterwalder Bergwerkes, der Glashütte und der Ziegelei an. Im Jahr 1835 wurden die Salzsieder der königlichen Saline Salzhemmendorf in die Kasse einbezogen und, mit Wirkung vom 1. Januar 1838, auch die Arbeiter der königlichen Saline Sülbeck und der fiskalisch verwalteten Saline Salzderhelden. Die Kasse bestand bis zum Jahr 1926 und auch in der Phase des Notbergbaus nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Osterwalder Bergleute Mitglieder der Knappschaft.

Das Museum am Hüttenstollen widmet dem Thema „Knappschaft“ also aus gutem Grund eine Sonderausstellung. Beabsichtigt ist, nicht nur die Bedeutung der Knappschaft als frühe und damit beispielgebende soziale Einrichtung herauszustellen, sondern auch auf die speziellen Arbeitsbedingungen und Gefährungen der Bergleute, Glasmacher, Ziegler, Salinenarbeiter sowie Steinhauer am Osterwald einzugehen.

Das Ausstellungsprojekt wurde gefördert durch:Barbara und Dietrich von Saldern, den Inner Wheel Club Bad Nenndorf-Springe und den Landschaftsverband Hameln-Pyrmont e.V.


Industrielle Tonverarbeitung am Osterwald: Otavi

29. April 2012 bis 28. Oktober 2012

werkVor 65 Jahren gründete Bergrat Eberhard Mauve die „Mauvesche Kohlen- und Tonwerke GmbH“ und begann mit der Förderung von Kohlen und später auch Ton aus dem Hüttenstollen. Er knüpfte damit an eine alte Gewerbetradition am Osterwald an. Eine herrschaftliche Ziegelei hatte hier im Jahr 1784 die Produktion von Mauersteinen, Dachziegeln und Wasserleitungsröhren aufgenommen.

Mauves Firmengründung schuf zugleich die Ausgangsbasis für den weiteren Ausbau der Tönförderung und -verarbeitung am Osterwald. Die Otavi Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft, ehemals eine deutsche Kolonialgesellschaft in Afrika, übernahm die „Mauve­sche Kohlen- und Tonwerke GmbH“, nahm den Abbau eines Tonvorkommens im Osterwald im Tagebau in Angriff, errichtete und betrieb ein keramisches Werk, das sie im Jahr 1991 an die Firma Wienerberger veräußerte. Diese führte die Produktion bis 2003 weiter und stellte sie dann ein.

Die Ausstellung thematisiert die geologischen Voraussetzungen des Tonab­baus ebenso wie die historische Entwicklung der Tonverarbeitung. Im Mittelpunkt steht jedoch die Ära der industriellen Tonverarbeitung, auch weil dadurch ein für Oster­wald ortsgeschichtlich interessantes Thema aufgearbeitet wird, zu dem etliche Ein­wohner einen persönlichen Bezug haben. Spannend ist auch der Zusammenhang zwischen der einstigen Kolonialgesellschaft Otavi und der ehemaligen Bergbausiedlung Osterwald.


Glasproduktion am Osterwald: Die Glashütte in der Sümpelbreite

12. Mai bis 27. Oktober 2013

glashuette_suempelbreiteDie Anfänge der Glasherstellung am Osterwald gehen auf das frühe 16. Jahrhundert zurück, als eine sogenannte Wanderglashütte hier produ­zierte. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann die Ära der sogenannten Lauensteiner Glä­ser, die als Exportartikel über große Entfernungen gehandelt wurden. Die Glasproduktion er­folgte im Sinne des Kameralismus in unmittelbarer Nähe des Energieträgers Steinkohle; auch die übrigen erforderlichen Rohstoffe waren in der näheren Umgebung vorhanden.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kündigte sich auch im Königreich Hannover der Wandel zur Industriegesellschaft an. Der Mangel an Transportkapazitäten für Rohstoffe und Energieträ­ger ließ die Bildung großer industrieller Zentren zunächst nicht zu, sodass die Industrialisie­rung vorerst zur Vergrößerung bestehender Produktionsanlagen, auch im ländlichen Raum, führte. Die Gründung und Entwicklung der Glashütte in der Sümpelbreite ist ein Beispiel da­für. Sie steht aber genauso für den Niedergang, den die industrielle Produktion in der Periphe­rie Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte, als der Ausbau der Eisenbahnverbindungen und Wasserstraßen neue und ausreichende Transportwege geschaffen hatte, welche die Bildung großer und profitabler Wirtschaftszentren begünstigte.

Die letzten 25 Jahre ihres Bestehens waren die Glashütte in der Sümpelbreite und der Steinkoh­lenbergbau am Osterwald und Nesselberg in der Hand eines Besitzers, der die Steinkohle auch für den Betrieb der Glashütte abbauen ließ. Ein interessanter Aspekt dieser Verbindung ist die Tatsache, dass somit die Arbeiter der Glashütte, genau wie die Bergleute, Mit­glieder der Knappschaftskasse waren.

Die Ausstellung visualisiert die Entwicklung der Glasproduktion am Osterwald von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der 1920er Jahre. Sie stellt neben den technischen Aspekten der Glasproduktion besonders die – gesundheitsschädlichen – Arbeitsbedingungen der Glasmacher, ihre Lebensumstände sowie soziale und politische Aspekte in den Mittelpunkt.


Sand- und Kalkstein aus dem Osterwald und Nesselberg

9. Mai bis 26. Oktober 2014

Bild319Die Sandsteine der Unterkreide wurden in etlichen Brüchen zwischen Bentheim und dem Harzvorland – auch im Osterwald und Nesselberg – gewonnen. Als begehrter Baustoff fanden sie Verwendung für viele Bauten der Weserrenaissance und der Gründerzeit.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein produzierten die Steinbrüche Steinkrippen und Mühlsteine für den lokalen und regionalen Markt. Mit der Gründerzeit setzte eine verstärkte Nachfrage an Bau- und Werksteinen für den Hochbau und auch für den Straßenbau ein. Die Angebotspalette der Steinbrüche reichte neben den Steinen für den Straßenbau von Bord-, Pflaster- und Mauersteinen über Steinquader und Steinplatten bis zu Werk- und Bildhauersteinen. Auch beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bestand großer Bedarf an Sandsteinen.

Die Steinhauer mussten schwere körperliche und ungesunde Arbeit leisten, da Maschinen für die Steingewinnung noch nicht zur Verfügung standen. Bei der Arbeit wurde zwischen der Steingewinnung und der Steinfertigung unterschieden. Während die einfachen Produkte wie Pflastersteine in den Steinbrüchen hergestellt wurden, gab es für die aufwendigeren Arbeiten Steinhauerplätze.

Die Ausstellung des Museums am Hüttenstollens thematisiert die Arbeits- und Lebensbedingungen der Steinhauer und zeigt an unterschiedlichen Beispielen die Verarbeitung und Nutzung der Sand- und Kalksteine auf. Hinzu kommt Wissenswertes über die Entstehung der Gesteine sowie, veranschaulicht anhand von Fossilien, die Lebenswelt der Jura- und Kreidezeit.


Industrie im Ersten Weltkrieg: regionale wirtschaftliche und soziale Aspekte

14. September bis 26. Oktober 2014

Der industrielle Krieg
Der Erste Weltkrieg war anders als alle vorhergegangenen Kriege. Er war ein industrieller Krieg mit gigantischen Materialschlachten, ein Zermürbungskrieg, den die beteiligten Staaten unter Aufbietung aller wirtschaftlichen Ressourcen führten. Allein auf deutscher Seite wuchs die maximale Truppenstärke im Verlauf des Krieges auf die kaum vorstellbare Zahl von 13.250.000 Soldaten an, von denen 1.850.000 ihr Leben ließen. 4.250.000 wurden verwundet und rund 1.500.000 kehrten als Invaliden heim. Fehlende Rohstoffe, Arbeitskräftemangel, Material- und Energieknappheit sowie zunehmende Probleme, die Bevölkerung mit dem Notwendigsten zu versorgen, zwangen zu Rationalisierungsmaßnahmen. Allen Schwierigkeiten und Entbehrungen zum Trotz gelang es, die deutsche Kriegsmaschinerie – bis zum völligen Zusammenbruch – vier Jahre lang am Laufen zu halten. Die Kriegswirtschaft brachte in Deutschland Gewinner und Verlierer hervor, wobei sich der industrielle Krieg nicht nur auf die großen Wirtschaftszentren auswirkte, sondern auch sehr schnell die erst nach 1870 industrialisierten ländlichen Räume in Mitleidenschaft zog.

Das Beispiel Osterwald
Die Glashütte in der Sümpelbreite, zwischen Osterwald und Oldendorf gelegen, stellte schon im August 1914 ihren Betrieb ein, weil der Versand ihrer Erzeugnisse, hauptsächlich Flaschen, per Eisenbahn nicht mehr möglich war. Die gesamte Transportkapazität der Bahn wurde für Truppen, Pferde, Artillerie und sonstiges Kriegsmaterialglasmacher benötigt. Später nahm die Glashütte die Produktion wieder auf und wurde mit Kriegslieferungen beauftragt. Die Einziehung eines großen Teils der Belegschaft des Steinkohlenbergwerks am Osterwald zum Fronteinsatz ließ die Kohlenförderung erheblich sinken und 1916 erfolgte mit der Schließung des Tiefbauschachtes die Stilllegung eines Teils der Betriebsanlagen. Der Krieg stärkte aber auch die Solidarität der Menschen. Im Oktober 1914 leisteten die verbliebenen Bergleute am Osterwald eine Sonderschicht und spendeten den damit verdienten Lohn den Familien der im Kriegseinsatz befindlichen Kameraden. Einer Zeitungsmeldung zufolge zeichneten die Beamten und Bergleute des Osterwalder Reviers für die dritte Kriegsanleihe im Herbst 1915 fast 31.000 Mark.

Die Ausstellung
„Industrie im Ersten Weltkrieg – regionale wirtschaftliche und soziale Aspekte“ stellt mit besonderem Blickwinkel industrie- sowie sozialgeschichtliche Themen dar und kombiniert diese mit ausgewählten lokalgeschichtlichen Schwerpunkten. Wie wirkte sich der Weltkrieg auf das Alltags- und Arbeitsleben in Orten abseits der ganz großen Industriezentren aus, welche Unternehmen waren Gewinner, welche Verlierer? Die Ausstellung ist als ein langfristiges Projekt gedacht. Sie soll in den kommenden Monaten in möglichst vielen weiteren Museen im mittleren Niedersachsen gezeigt und vor Ort jeweils durch einschlägige lokale Beiträge bereichert werden. Am Schluss soll dann eine gemeinsame Präsentation einiger oder – noch besser – aller beteiligten Museen an zentralen Orten wie Hameln, Hannover oder Hildesheim stehen. Die Ausstellung im Museum am Hüttenstollen ist ein Gemeinschaftsprojekt des Hüttenstollens – Besucherbergwerk und Museum Osterwald – und des Netzwerks Industriekultur im mittleren Niedersachsen e.V., finanziell unterstützt vom Landschaftsverband Hameln-Pyrmont e.V. und von der Volksbank im Wesertal eG.

Wenn Sie Interesse haben, die Ausstellung in ihrem Museum oder ihrer Institution zu präsentieren, nehmen Sie bitte mit dem Netzwerk Industriekultur im mittleren Niedersachsen e.V. (info@industriekultur-niedersachsen.de) oder dem Museum am Hüttenstollen (kontakt@der-huettenstollen.de) Kontakt auf.

Alle Informationen finden Sie auch im Faltblatt zur Ausstellung.


Ausstellungsprojekt „4 x 7“

19. März bis 13. November 2015

Vier Teilausstellungen in einer Saison – ein ambitionierter Plan des Museums am Hüttenstollen. Sieben Wochen lang wird jede Präsentation zu sehen sein, das Leitthema ist der Bergbau. Warum? 2015 begeht das Besucherbergwerk Hüttenstollen sein 35-jähriges Jubiläum. Grund genug, die Geschichte des Bergbaus am Osterwald in Form einer Sonderausstellung in den Blick zu nehmen und dabei besonders die Aspekte zu thematisieren, die in der Dauerausstellung keinen Raum finden. Dass dabei auch eine Einordnung in den montanhistorischen Gesamtkontext erfolgt, versteht sich von selbst.

Vier Teilausstellungen sind es, weil der Themenkomplex Bergbau, auch bei noch so wohlüberlegter Selektion und Reduktion, nicht in einer einzigen Präsentation darzustellen wäre. Die Dauer der diesjährigen Saison am Hüttenstollen geteilt durch die Anzahl der Ausstellungen ergibt – Zeit für Auf- und Abbau unberücksichtigt – die „magische Sieben“. Ein interessanter Effekt, der nicht nur als gutes Omen für den Erfolg des Projekts zu sehen ist, sondern ihm auch den Namen „4 x 7“ eingebracht hat.

Vier Teilausstellungen, die den Bergbau im Spiegel von Kunst und Kitsch sehen, seine komplexen und effektiven Organisationsformen beschreiben, die Arbeitstechniken und Gefahren des Unter-Tage-Betriebes erläutern sowie das Alltagsleben der Bergleute und ihrer Familien beleuchten:

1. „Was ist die Kunst so seltsam und sonderbar“
19. März bis 5. Mai

2. „Der Bergbau ist nicht eines Mannes Sache“
15. Mai bis 3. Juli

3. „Bergwerk will haben Verstand und eine treue Hand“
24. Juli bis 11. September

4. „Arm wird der Bergmann geboren und arm gehet er wieder dahin“
25. September bis 13. November

„Was ist die Kunst so seltsam und sonderbar“

19. März bis 5. Mai 2015

„Was ist die Kunst so seltsam und sonderbar“, eine Aussage, die dem französischen Philosophen und Schriftsteller der Aufklärung Denis Diderot zugeschrieben wird. Er mag recht haben, aber die Kunst kann noch viel mehr sein: faszinierend, aufregend, verwirrend, fesselnd, abstoßend … Eines ist sie auf jeden Fall: Ausdruck von Schaffensfreude und Kreativität. Sie bildet einerseits die Realität ab, andererseits prägt sie diese auch. Es kann nicht verwundern, dass der Bergbau, der über viele Jahrhunderte hinweg Identität und Gemeinschaft stiftete, seinen Widerhall auch in der Kunst fand. Dabei waren die Ausdrucksformen genauso vielfältig wie die Materialien: Holz, Glas, Porzellan, Metall, Leinwand, sogar Kohle und natürlich Papier verwendeten die Künstler für ihre Plastiken, Grafiken, Schnitzereien, Miniaturen, Ölgemälde, Romane und Gedichte. Die Trachten der Bergleute, ihr Gezähe und Geleucht, die Mühsal ihrer Arbeit, das und vieles mehr gehört zum Thema Kunst und Bergbau.

Kunstausstellung

Was ist Kitsch und was ist Kunst? Die Grenzen sind, wie überall, fließend. Sicher gibt es objektive Kriterien für die Unterscheidung, aber auch die persönliche Vorliebe des Betrachters spielt eine Rolle. Und wer möchte die liebenswert kitschigen Schnitzereien aus dem Erzgebirge verdammen? War ihre Herstellung doch ein wichtiger Nebenerwerb der armen Leute. In der Zeit der „großen Industrie“, als die einst privilegierten Bergleute Teil der großen Masse der Industriearbeiter wurden, gaben die Grafiken eines Hermann Kätelhön und die Gedichte eines Heinrich Kämpchen ihrer Notlage Ausdruck. Heute, da der Bergbau in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle spielt, hat seine künstlerische Darstellung schon eine nostalgische Note. Ölgemälde als persönliche Erinnerung an die Zeit als Bergmann, Jubiläumsgaben aus gepresster Kohle, graphisch gestaltete Urkunden, ja sogar Küchenhelfer in Form von bergmännischem Gezähe halten die Erinnerung wach an eine vergangene Zeit. Eine bescheidene Auswahl präsentiert diese Ausstellung.

„Der Bergbau ist nicht eines Mannes Sache“15. Mai bis 3. Juli 2015

Natürlich ist der Bergbau nicht die Sache eines Mannes. Dazu war und ist das damit verbundene materielle Interesse viel zu groß. Auch der Bedarf an Arbeitskräften entwickelte sich derart, zumindest im Zeitalter der großen Industrie, dass nicht nur viele Männer, sondern auch Frauen und Kinder in den Bergwerken eingesetzt wurden.
Aber nicht darauf bezieht sich der Titel dieser Ausstellung. Er ist eine Anspielung auf die vielfältigen und komplexen Organisationsformen des Bergbaus, die notwendig waren, damit er funktionieren und Gewinn abwerfen konnte. Das war bei Weitem nicht immer der Fall und es kam vor, dass der hohe Aufwand, den die Einrichtung eines Bergwerks erforderte, sich als Fehlinvestition erwies.
Seit dem 13. Jahrhundert existiert die Rechtsform der „Gewerkschaft“ im Bergbau. Sie ist keine Arbeitervertretung, sondern eine Art Genossenschaft, in der sich Bergbauinteressenten als Anteilseigner zusammenschließen, um Kosten und Gewinne miteinander zu teilen.
Die Industrialisierung machte schließlich die Aktiengesellschaft populär; der bis dahin vom Staat beaufsichtigte oder auch betriebene Bergbau gelangte in die Hände von Privateigentümern. Deren Profitinteresse ging auch zu Lasten der Bergleute, die ihren besonderen Status verloren und in der Masse der Industriearbeiter aufgingen.
Ihre gefährliche, mühevolle aber auch hochspezialisierte Arbeit hatte den Bergleuten zu gewissen Privilegien verholfen und es ihnen ermöglicht, sich selbst eine besondere Gesellschaftsordnung zu geben. Ein wichtiger Teil davon ist die Knappschaft, die schon im Mittelalter existierte und als Ursprung der deutschen Sozialversicherung gilt. Sie entsprang dem Bedürfnis der Bergleute nach Absicherung gegen Krankheiten, Unfälle und Invalidität.

Zwar sind die grundlegenden Strukturen im Bergbau überall gleich, dennoch hat jedes Revier seinen ganz individuellen Charakter – auch das Osterwalder. Davon will diese Ausstellung einen Eindruck vermitteln.

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„Bergwerk will haben Verstand und eine treue Hand“

24. Juli bis 11. September

Die Geschichte des Bergbaus begann in der Jungsteinzeit mit dem Abbau von Feuersteinen in offenen Gruben und unterirdischen Steinbrüchen. Die antiken Hochkulturen im Mittelmeerraum beuteten Erzvorkommen bereits systematisch aus. In Deutschland ging der Bergbau seit 970 bei Goslar im Harz und ab 1170 bei Freiberg in Sachsen um. Während des Mittelalters und zu Beginn der frühen Neuzeit stand der Abbau von Erz im Vordergrund. Mit dem Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert vollzog sich – energetisch – der Übergang zum fossilen Zeitalter und die Bedeutung des Steinkohlenbergbaus wuchs. Existiert hat er vermutlich schon in der Römerzeit. In Sachsen begann der Bergbau auf Steinkohlen um das Jahr 1000, in Lüttich etwa 1195. Während die Förderung von Steinkohlen in Deutschland in den nächsten Jahren endet, boomt sie in anderen Regionen der Erde, unter anderem in China, der Türkei, in Kolumbien oder der Ukraine.
Seit jeher ist der Bergbau eine Tätigkeit, die Wissen, Umsicht und Erfahrung verlangt. Nicht nur, um befriedigende Ergebnisse zu erzielen, sondern auch um den damit verbundenen Gefahren wirksam zu begegnen. Trotz aller technischen Entwicklung sind die Opferzahlen nach wie vor hoch. Geschätzt kommen in den staatlichen Steinkohlenbergwerken Chinas pro eine Million Tonnen geförderter Kohle zwei Menschen ums Leben. In den kleinen, oft illegalen, Zechen sind es 17.
Das erste belegte Grubenunglück in Deutschland ereignete sich 1376 am Rammelsberg, als hereinbrechende Gesteinsmassen rund 100 Bergleute unter sich begruben. Am 10. März 1906 forderte eine Explosion im Bergwerk von Courrières, Frankreich, 1.099 Menschenleben. Einer Schlagwetterexplosion und nachfolgenden Grubenbränden fielen am 12. November 1908 auf der Zeche Radbod bei Bockum-Hövel 348 Kumpel zum Opfer. Das bis heute vermutlich schwerste Grubenunglück ereignete sich am 26. April 1942 im Bergwerk Benxihu in China. Durch eine Explosion mit anschließendem Brand starben offiziellen Angaben zufolge 1.549 Bergleute.
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Auch das Osterwalder Revier forderte in den Jahrhunderten seines Bestehens einen Tribut an Menschenleben. Zwar handelte es sich hier nur um ein kleines Bergbaurevier, das aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zuge der auch in Deutschland einsetzenden Industrialisierung einen starken Aufschwung erlebte. Der Übergang zum Tiefbau und die 1872 mit 56.797 Tonnen höchste jemals erreichte jährliche Fördermenge belegen dies.

„Arm wird der Bergmann geboren, und arm gehet er wieder dahin“ 25. September bis 13. November

Der Titel dieser Teilausstellung entstammt dem Romanfragment „Heinrich von Ofterdingen“, das Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis, verfasste. Die Veröffentlichung des Werkes erfolgte 1802, kurz nach dem frühen Tod des Schriftstellers und Lyrikers. Novalis war Jurist, hatte aber auch an der Bergakademie in Freiberg studiert. Seinen Lebensunterhalt verdiente er in der Salinendirektion in Weißenfels an der Saale.
Obwohl Novali15_09_17_bild_4_7_4s‘ schriftstellerische Schaffensperiode nur wenige Jahre währte, gilt er doch als einer der bedeutendsten Dichter der Frühromantik. In diesen Kontext ist auch die im „Heinrich von Ofterdingen“ zu findende Sichtweise vom Beruf und Schicksal des Bergmannes zu stellen. Novalis lässt hier einen greisen Bergmann aus Böhmen sprechen, der die ideellen Werte des Bergbaus, die dazu nötigen Kenntnisse und seine eigenen ethischen Grundsätze deutlich über den materiellen Aspekt stellt. Der Bergmann verfügt über das Wissen und die Fähigkeit, die unterirdischen Schätze aufzufinden und ans Tageslicht zu befördern, Besitz und Reichtum aber sind ihm gleichgültig. Ob diese Einstellung einer Prüfung anhand der historischen Sachverhalte – der Bergbau existiert schon seit Jahrtausenden – standhielte, mag dahingestellt bleiben. Immerhin erfüllten die Bergleute eine wichtige Aufgabe, zunächst für ihren jeweiligen Landesherrn, dem die Bodenschätze zustanden und dessen Macht sich unter anderem auch daraus ableitete, und später für die kapitalistischen Unternehmer sowie die Aktionäre, die sich auf Profite und Dividenden konzentrierten. Sicher erhielten die Bergleute niemals Reichtümer als Gegenleistung für ihre gefahrvolle Tätigkeit, gewisse Privilegien standen ihnen über Jahrhunderte hinweg aber zu. Das änderte sich erst mit der Industrialisierung, als sie ihren Stand verloren und sich in die Masse des weitgehend rechtlosen Industrieproletariats einfügen mussten.
Wie sah das Alltagsleben des Bergmannes aus? Auch die vierte und letzte Teilausstellung im Projekt „4 x 7“ versucht, genauso wie ihre drei Vorgängerinnen, eine Annährung – mit ortsgeschichtlichem Schwerpunkt.


Vom Baumstamm bis zum Windrad: Energieträger im Wandel der Zeit

22. Mai bis 30. Oktober 2016

Die Bedeutung, die der Versorgung mit Energie in der heutigen Zeit zukommt, aber auch die durch wachsenden Ausstoß von Kohlendioxid verursachte globale Klimaveränderung lassen einen Blick auf die verschiedenen „Energieträger im Wandel Zeit“ interessant erscheinen. Die aktuelle Sonderausstellung des Museums am Hüttenstollen wagt einen Versuch anhand ausgewählter Aspekte.

Fotolia_82486364_XLEnergie, griechisch enérgeia, – wirkende Kraft – ist die Fähigkeit, mechanische Arbeit zu verrichten, Wärme abzugeben oder Licht auszustrahlen. Energie ist zugleich das Zauberwort der „großen Industrie“ und als Diskussionsgegenstand auch heute, an der Schwelle zum postindustriellen Zeitalter, allgegenwärtig. Energieverbrauch, Energiesparen, Energiewende, regenerative Energien, diese und viele andere Begriffe kursieren, obwohl ihnen allen eines gemein ist: Sie sind, physikalisch gesehen, vollkommener Unsinn. Doch darum geht es natürlich nicht. Vielmehr ist der aktuelle Diskurs über Energiethemen nur ein Aspekt einer großen Debatte, die geführt wird, seit die Auswirkungen anthropogenen Wirtschaftens auf die Umwelt unübersehbar geworden sind und diese, jedenfalls als Lebensraum der Spezies Mensch, in absehbarer Zeit zu zerstören drohen.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich mit dem Terminus „Energieträger“ näher zu befassen. Darunter sind Stoffe, Impulse, Strahlung oder Felder zu verstehen, die Energie enthalten oder übertragen. Zu unterscheiden ist zwischen Primärenergieträgern, beispielsweise Kohle und Erdöl, Sekundärenergieträgern, in erster Linie Elektrizität, und sogenannten Zwischenenergieträgern wie Dampf oder Druckluft. Im ökologischen Kontext sind die Kategorien „fossile“ und „regenerative“ Energieträger bedeutsam.

Mit der industriellen Revolution vollzog sich ein fundamentaler Wandel in der Nutzung der verschiedenen Energieträger. Im Verbund mit der ständig wachsenden Verarbeitung von Ressourcen ist er für die erwähnten Umweltveränderungen ursächlich. Betrachtet man die energetische Basis, die dem Menschen für sein Tun zur Verfügung stand, über einen langen Zeitraum hinweg, wird deutlich, welche Zäsur der Beginn der Industriezeit darstellt.

Die Sonne ist die mit Abstand wichtigste Energiequelle für die Biosphäre der Erde. Die Jäger- und Sammlergesellschaften schöpften in ihrer ökologischen Nische genau so viel Energie ab, wie diese dauerhaft nachliefern konnte. Auch für die Agrargesellschaften, deren Entwicklung vor 10.000 Jahren begann, blieb die Sonne die einzige Energiequelle, doch modifizierten sie den Energiefluss in wesentlich stärkerem Maße als die Jäger und Sammler. Dennoch waren sie immer mit einem stationären Zustand konfrontiert, in dem sie in ihrem Lebensraum genau so viel Energie verbrauchen konnten, wie dieser dauerhaft zur Verfügung stellte.

Mit der Nutzung fossiler Brennstoffe, in erster Linie Kohle, setzte die Industrialisierung ein. Der Zugriff auf fossile Energien versetzt die Industriegesellschaft in einen Zustand des Energieüberflusses, der aber nicht von Dauer sein kann. Das Energiesystem der Industriegesellschaften muss in absehbarer Zeit durch eine Alternative ersetzt werden. Ein Verbund von Photovoltaik, Solarthermie, Wind- und Wasserkraft, Geothermie und Biomasse ist denkbar. Wie das traditionelle, wird aber auch dieses Solarenergiesystem einem stationären Maximum zustreben. Trotz vielfältiger Möglichkeiten der Modulation ist es kein Garant unendlicher Wachstumsdynamik, die in jüngster Zeit ohnehin viel von ihrem Nimbus als alleiniger „Heilsbringer“ verloren hat.

Den Stadtwerken Weserbergland und dem Landschaftsverband Hameln-Pyrmont e.V. sei für ihre Unterstützung bei der Realisierung dieser Ausstellung herzlich gedankt.

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